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I A N P
Mit Kompetenz zu noch mehr Lebensfreude
Geschichten & Metaphern
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Ochsentour
Die Suche nach dem Ochsen
Auf der Weide dieser Welt teile ich endlos das hohe Gras auf der Suche nach dem
Ochsen. Ich folge namenlosen Flüssen, verliere mich auf verschlungenen Pfaden
ferner Berge; meine Kräfte gehen zu Ende und meine Energie ist erschöpft, ich
kann den Ochsen nicht finden. Ich höre nur die Zikaden zirpen im nächtlichen
Wald.
Das entdecken der Fußstapfen
Am Flussufer, unter den Bäumen, entdecke ich die Fußstapfen! Sogar unter dem
duftenden Gras sehe ich seine Spuren. Tief in entlegenen Bergen sind sie zu
finden. Diese Fährte kann nicht besser versteckt sein als die eigene Nase, wenn
man gen Himmel schaut.
Das wahrnehmen des Ochsen
Ich höre den Gesang der Nachtigall. Die Sonne ist warm, der Wind ist mild, die
Weiden am Ufer sind grün. Hier kann sich kein Ochse verstecken! Welcher
Künstler vermag dieses schwere Haupt, diese herrlichen Hörner zu malen?
Das einfangen des Ochsen
Ich bezwinge ihn in einem schrecklichen Kampf. Sein großer Wille und seine
kraft sind unerschöpflich. Er stürmt auf das hohe Plateau weit über den
Wolkennebeln, oder er steht in einer unzugänglichen Schlucht.
Das zähmen des Ochsen
Peitsche und Strick sind nötig, sonst läuft er weg, eine staubige Straße
hinab. Ist er gut erzogen, so wird er auf ganz natürliche Weise sanft. Und dann
gehorcht er seinem Meister uneingeschränkt.
Das Heimreiten auf dem Ochsen
Ich besteige den Ochsen und reite langsam nach Hause zurück. Die Stimme meiner
Flöte klingt durch den Abend. Ich dirigiere den endlosen Rhythmus, indem ich
mit Schlägen der Hand die pulsierende Harmonie abmesse. Braucht der noch Worte,
der den Sinn versteht?
Der Ochse verschwindet
Rittlings auf dem Ochsen erreiche ich mein Heim. Ich bin heiter. Es gibt keinen
Ochsen mehr. Die Dämmerung ist hereingebrochen. In glückseliger Ruhe habe ich
in meiner strohgedeckten Hütte Peitsche und Seil zurückgelassen.
Ochse und Selbst verschwinden
Peitsche, Seil, Mensch und Ochse – alle verschmelzen zu Nichts. Dieser Himmel
ist so unermeßlich, daß keine Botschaft ihn beflecken kann. Wie könnte eine
Schneeflocke im wütenden Feuer bestehen? Hier sind die Fußstapfen der
Patriarchen.
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Adler
Ein Mensch ging auf dem Lande spazieren.
Eines Tages kam er an einem Bauernhof vorbei und sah einen jungen Adler inmitten der Hühner.
Mit Erlaubnis des Bauern und nachdem er das Vertrauen des Adlers gewonnen hatte, nahm er diesen auf den Arm, zeigte ihm den weiten Horizont und flüsterte diesem ins Ohr: "Du bist ein Adler. Ein König der Lüfte. Du kannst fliegen", und versuchte ihn in die Luft zu schleudern. Doch der junge Adler hielt sich fest, sah runter zu den Hühnern und sprang zu ihnen.
Einige Zeit später, beim zweiten Versuch vom Scheunendach, kam sich der Adler schon viel größer vor im Vergleich mit den kleinen Hühnern dort so weit unten. Die Flügel zuckten immerhin, doch auch diesmal hielt er sich nach den 3 Sätzen fest.
Beim dritten Versuch ging der Mensch mit dem Adler ins Gebirge. Und als der Adler die Luft unter seinen Flügeln spürte, schwang er sich von allein in die unendliche Weite seines Reiches noch bevor der Mensch die drei Sätze zu Ende gesprochen hatte. In Kreisen flog er immer höher, und segelte dann in die Ferne davon.
Ob er jemals zu den Hühnern zurückgekehrt ist?
Ich weiß es nicht ... doch glaube ich, dass er bei einem Besuch nicht lange geblieben ist.
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Die drei Siebe des Weisen
Zum weisen Sokrates kam einer gelaufen und sagte:
"Höre, Sokrates, das muss ich dir erzählen!"
"Halte ein!" unterbricht ihn der Weise, "hast du das,
was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?"
"Drei Siebe?", fragte der andere voller Verwunderung.
"Ja, guter Freund! Lass sehen, ob das, was du mir sagen willst,
durch die drei Siebe hindurchgeht:
Das erste ist die Wahrheit.
Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?"
"Nein, ich hörte es erzählen und..." "So, so! Aber sicher hast du
es im zweiten Sieb geprüft.
Es ist das Sieb der Güte.
Ist das, was du mir erzählen willst gut?"
Zögernd sagte der andere:
"Nein, im Gegenteil..."
"Hm", unterbrach ihn der Weise, "so lasst uns auch das dritte Sieb noch
anwenden. Ist es notwendig, dass du mir das erzählst?"
"Notwendig gerade nicht...?
"Also", sagte lächelnd der Weise, "wenn es weder wahr noch gut
noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht
damit."
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Das Maerchen der Maerchen
Wir stehen am Wasser,
die Platane und ich.
Im Wasser unser Spiegelbild,
die Platane und ich.
Das Licht des Wassers erleuchtet uns,
die Platane und mich.
Wir stehen am Wasser,
die Platane und ich und die Katze.
Im Wasser unser Spiegelbild,
die Platane und ich und die Katze.
Das Licht des Wassers erleuchtet uns,
die Platane und mich und die Katze.
Wir stehen am Wasser,
die Platane und ich und die Katze und die Sonne.
Im Wasser unser Spiegelbild,
die Platane und ich und die Katze und die Sonne.
Das Licht des Wassers erleuchtet uns,
die Platane und mich und die Katze und die Sonne.
Wir stehen am Wasser,
die Platane und ich und die Katze und die Sonne und unser Leben.
Im Wasser unser Spiegelbild,
die Platane und ich und die Katze und die Sonne und unser Leben.
Das Licht des Wassers erleuchtet uns,
die Platane und mich und die Katze und die Sonne und unser Leben.
Wir stehen am Wasser.
Zuerst wird die Katze vergehen,
ihr Spiegelbild erlischt im Wasser.
Dann werde ich vergehen,
mein Spiegelbild erlischt im Wasser.
Dann wird die Platane vergehen,
ihr Spiegelbild erlischt im Wasser.
Dann wird das Wasser vergehen.
Die Sonne wird bleiben,
dann vergeht auch sie.
Wir stehen am Wasser,
die Platane und ich und die Katze und die Sonne und unser Leben.
Das Wasser ist kuehl,
die Platane ist hoch,
ich schreibe Gedichte,
die Katze schlaeft,
die Sonne waermt uns -
gottlob, wir leben.
Das Licht des Wassers erleuchtet uns,
die Platane und mich und die Katze und die Sonne und unser Leben.
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Acht Kühe für Johnny Lingos Frau
Richard Clark
Als ich nach Kiniwata segelte, nahm ich einen Notizblock mit,
und als ich zurückkam, war er vollgeschrieben mit Aufzeichnungen über Fauna und
Flora, über die Bekleidungen der Eingeborenen und über ihre Sitten und
Gebräuche. Aber die einzige Aufzeichnung, die mich noch immer
interessiert, ist die, die besagt: "Johnny Lingo gab Saritas Vater acht
Kühe". Und ich muß diese Notiz nicht einmal geschrieben vor mir sehen;
ich denke immer an sie, wenn ich einen Mann sehe, der von seiner Frau
herabgewürdigt wird, oder eine Frau, eingeschüchtert durch die
Verachtung ihres Mannes. Dann drängt es mich, ihnen zu sagen: "Ihr
solltet wissen, warum Johnny Lingo acht Kühe für seine Frau bezahlte."
Johnny Lingo war nicht sein wirklicher Name. Es war Shenkin, der
Besitzer des Hotels auf Kiniwata, der ihn so nannte. Shenkin kam aus
Chikago und amerikanisierte aus irgendwelchen Gründen die Namen der
Inselbewohner. Johnny jedoch wurde von vielen Leuten immer wieder in
allen möglichen Zusammenhängen erwähnt. Wenn ich ein paar Tage auf der
Nachbarinsel Nurabandi verbringen wollte, so könnte Johnny mich
unterbringen. Wenn ich fischen wollte, so könnte Johnny mir zeigen, wo
die besten Stellen im Meer seien. Wenn ich Perlen suchte, so würde er
mir sicherlich die besten und preiswertesten beschaffen. Die Leute von
Kiniwata sprachen alle mit Hochachtung von Johnny Lingo. Jedoch, sie
lächelten, wenn sie über ihn sprachen und dieses Lächeln war immer ein
wenig spöttisch.
"Du mußt nur Johhny Lingo fragen, wenn du etwas brauchst, und laß ihn
für dich den Handel machen," riet mir Shenkin, "Johnny weiß zu
verhandeln".
"Johnny Lingo!" Ein Junge, der daneben saß, rief den Namen aus und
schüttelte sich dabei vor Lachen.
"Was geht da vor sich?" fragte ich. "Ihr alle ratet mir, mich unbedingt
an Johnny Lingo zu wenden, und dann fangt ihr an zu lachen. Kann mich
jemand in diesen Spaß einweihen?"
"Oh, die Leute lachen eben gern," sagte Shenkin schulterzuckend. "Johnny
ist der gescheiteste und der stärkste junge Mann auf diesen Inseln, und
der reichste in seinem Alter."
"Aber, wenn er all das ist, was gibt es denn da zu lachen?"
"Nur eines. Es war vor fünf Monaten, an unserem Herbstfest, als Johnny
Lingo nach Kiniwata kam, um sich eine Frau zu nehmen. Er bezahlte ihrem
Vater acht Kühe."
Ich wusste genug über die Gebräuche auf den Inseln, um beeindruckt zu
sein. Für zwei oder drei Kühe bekam man eine ziemlich gute Frau und für
vier oder fünf eine sehr beachtliche.
"Mein Gott!", sagte ich. "Acht Kühe! Sie muß eine atemberaubende
Schönheit sein."
"Sie ist nicht hässlich," räumte er ein und lächelte ein wenig, "Aber
selbst der wohlwollendste könnte Sarita allenfalls als durchschnittlich
bezeichnen. Sam Karoo, ihr Vater, mußte schon befürchten, daß sie immer
bei ihm bleiben würde."
"Acht Kühe für sie, ist das nicht ziemlich außergewöhnlich?"
"Das ist noch nie von irgendjemandem bezahlt worden."
"Und du sagst, Johnnys Frau ist nicht mehr als durchschnittlich?"
"Ich sagte, es wäre wohlwollend, sie durchschnittlich zu nennen. Sie war
dünn. Sie ging mit hängenden Schultern und hängendem Kopf. Sie fürchtete
sich vor ihrem eigenem Schatten."
"Nun," sagte ich, "die Liebe hat wohl keinen festen Preis."
"Richtig," sagte der Mann zustimmend. "Und genau deshalb grinsen die
Leute aus dem Dorf, wenn sie über Johnny Lingo reden. Es gibt ihnen so
etwas wie eine ganz bestimmte Befriedigung, zu denken, daß der
gescheiteste Händler der Inseln von dem alten einfältigen Sam Karoo
übertölpelt wurde."
"Aber wie konnte das geschehen?"
"Niemand weiß es, und alle fragen sich. All seine Vettern rieten Sam,
zuerst drei Kühe zu verlangen, dann eine Weile bei zweien zu verharren
und sich schließlich mit einer Kuh zufrieden zu geben. Dann kam Johnny
zu Sam Karoo und sagte: ,Vater der Sarita, ich biete dir acht Kühe für
deine Tochter.‘"
"Acht Kühe," murmelte ich. "Diesen Johnny Lingo möchte ich
kennenlernen."
Ich brauchte Fisch und ich wollte Perlen kaufen, also landete ich am
nächsten Nachmittag mit meinem Boot auf Nurabandi. Und als ich nach dem
Weg zu Johnnys Haus fragte, bemerkte ich, daß sein Name kein heimliches
Lächeln auf die Lippen der Einwohner von Nurabandi brachte. Und als ich
dann den schlanken, ernsten jungen Mann sah. als er mich mit großer
Höflichkeit begrüßte und in seinem Haus willkommen hieß, war ich
erleichtert, daß seine eigenen Leute ihm mit ungeteiltem Respekt
begegneten. Wir saßen in seinem Haus und sprachen. Dann fragte er. "Sie
kommen von Kiniwata?"
"Ja."
"Spricht man über mich auf jener Insel?"
"Man sagt, daß es nichts gibt, was Sie nicht besorgen könnten."
Er lächelte sanft. "Meine Frau kommt von Kiniwata."
"Ja, ich weiß."
"Spricht man über sie?"
"Ein wenig."
"Was sagt man?"
"Nun, nur ..." Die Frage brachte mich etwas aus dem Gleichgewicht. "man
hat mir gesagt, daß Sie am letzten Herbstfest geheiratet haben."
"Sonst nichts?" Sein Gesicht zeigte mir, daß er wußte, daß da noch mehr
sein mußte.
"Man sagt, daß der Brautpreis acht Kühe betragen hat." Ich hielt inne.
"Und man fragt sich, warum."
"Das fragt man sich?" Seine Augen leuchteten vor Freude. "Alle in
Kiniwata wissen von den acht Kühen?"
Ich nickte.
"Und alle in Nurabandi wissen es auch." Seine Brust weitete sich vor
Genugtuung. "Für alle Zeiten, wenn man über Brautpreise spricht, wird
man sich erinnern, daß Johnny Lingo acht Kühe für Sarita bezahlt hat."
Das ist also die Antwort, dachte ich: schlichte Eitelkeit.
Und dann sah ich sie. Ich sah, wie sie ins Zimmer trat und Blumen auf
den Tisch stellte. Sie blieb einen Moment lang stehen und lächelte dem
jungen Mann neben mir zu. Dann ging sie schnell wieder hinaus. Sie war
die schönste Frau, die ich je gesehen hatte. Die Bewegungen ihrer
Schultern, die Haltung ihres Kopfes, das Leuchten in ihren Augen, alles
verriet Stolz, den man ihr nicht versagen konnte.
Ich wandte mich wieder zu Johnny Lingo und bemerkte, daß er mich
beobachtet hatte.
"Sie bewundern sie?" murmelte er.
"Sie ... sie ist wunderbar. Aber sie ist nicht Sarita aus Kiniwata,"
sagte ich.
"Es gibt nur eine Sarita. Vielleicht sieht sie nicht mehr aus wie in Kiniwata."
"Nein. Ich hörte, sie sei unscheinbar. Alle machen sich darüber lustig,
daß Sie sich von Sam Karoo übervorteilen ließen."
"Denken Sie, acht Kühe waren zu viel?" Ein Lächeln war auf seinen
Lippen.
"Nein, aber wie ist es möglich, daß sie so verändert ist?"
"Haben Sie je darüber nachgedacht," fragte er, "was es für eine Frau
bedeutet, zu wissen, daß ihr Mann den tiefsten Preis für sie
ausgehandelt hat? Und dann später, wenn die Frauen gegenseitig darüber
reden und prahlen, wieviel ihr Mann bezahlt hat. Die eine sagt vier
Kühe, die andere vielleicht sechs. Wie fühlt sich dann die Frau, die für
eine oder zwei gekauft wurde? Dies kann meiner Sarita nicht passieren."
"Dann haben Sie es getan, um Ihre Frau glücklich zu machen?"
"Ich wollte, daß Sarita glücklich ist. Aber ich wollte mehr. Sie sagten,
sie sei verändert. Das ist richtig. Vieles kann sich in einer Frau
ändern. Dinge, die in ihrem inneren vor sich gehen und solche, die
äußerlich geschehen. Aber was wirklich zählt, ist, was sie über sich
selbst denkt. In Kiniwata hat Sarita gedacht, sie habe überhaupt keinen
Wert. Hier weiß sie, daß sie mehr wert ist als jede andere.
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Der Wassertropfen
Ein Wassertropfen spritzte aus der Tiefe einer
Quelle in das Wasser eines Rinnsales, das Rinnsal mündet in einen Bach, der
Bach mündet in einen Fluß und der Fluß in ein Meer und als Meer in einen
Ozean. Der Wassertropfen weiß noch nicht von seinem Ziel, er weiß nur wieviele
andere Millionen Wassertropfen das ihr Weg der gleiche , wenn auch nicht
derselbe sein wird. Das verbindet und unterscheidet ihn von den anderen
mitschwimmenden Tropfen. Eines Tages fragt sich der Wassertropfen, wofür er
nütze und wann er das Ziel seines Nutzens erreicht hat.
Er stellt die Frage einer im Fluß schwimmende Forelle. Die gibt ihm zur
Antwort, am Ziel bist Du, wenn Du kein Wassertropfen mehr bist. Er fragt weiter,
wann wird das sein, darauf die Forelle, das wirst Du spüren, stärker noch als
das Salz im Wasser des Ozeans. Es wird dich befreien und gleichzeitig wirst Du
nicht mehr Du sein. Was werde ich dann sein, fragt er. Sie antwortet ihm, du
wirst dann eine Wolke werden, wenn viele wie Du eine Wolke werden wollen oder
aber du wirst zu Eis, wenn auch viele wie du zu Eis werden wollen. Darauf der
kleine Wassertropfen, woran erkenne ich ob die anderen auch wollen, was ich
will. Mhm sagt die Forelle, das wirst Du dann merken, wenn es soweit ist, bis
dahin mache Dir aber keine weiteren Gedanken. Sie sagt ihm ".. laß es
einfach fließen den Berg hinunter, laß es fließen durchs Tal, Gott hat uns
diesen Weg gegeben, sicher tut er es nicht nochmal.". Da schwamm der
Wassertropfen durchs Tal und dachte, wer ist Gott, wo finde ich ihn...
Ist nicht jeder Wassertropfen ein Gott?
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Bleiben Se
Mensch, Herr Psychologe!
Eine Satire
Ach, wie bin ich froh, durch Selbsterfahrung, Encounter-Groups
und themenzentrierte Interaktion, durch Kommunikationstrainings, Meditation und
-gottlob - auch Gestalttherapie einen besseren Zugang zu mir selbst und zu
meinen Mitmenschen gefunden zu haben! Früher habe ich einfach so dahingelebt,
anderen nur mit halbem Ohr zugehört, eine normale Fassade von mir gezeigt - und
bin einer wirklichen Begegnung mit mir selbst und anderen aus dem Weg gegangen!
Ich will aber auch folgendes nicht verschweigen-. Seit ich auf
dem Wege bin, kommt es zuweilen vor, daß mich mein persönliches Wachstum, mein
Persönlichkeitsfortschritt von all jenen Mitmenschen entfernt, die noch nicht
soweit sind.
So hatte ich neulich ein Rendezvous mit Maria, einem an sich
wirklich netten Mädchen, das auf seine Art überaus natürlich ist. Wir saßen
in einer Kneipe beim Bier, und sie plauderte fröhlich über dies und das.
Allerdings waren die Inhalte etwas external und ichfern. Ich horchte in mich
hinein und merkte, daß ich mich von ihrer lebendigen Art mehr angerührt
fühlte als von den Inhalten ihrer Erzählungen - und beschloß, ihr ein
Feedback zu spenden.
Wie jeder weiß, bedarf es einiger Qualifikation, um ein
Feedback richtig zu geben. Früher hätte ich wahrscheinlich gar nichts gesagt
und ein anderes Thema angefangen - oder ich hätte ihr durch eine Du-Botschaft
irgendeinen Stempel aufgedrückt und mich selbst herausgehalten mit meinen
Gefühlen. Jetzt aber hatte ich die einschlägigen Feedback-Regeln im Kopf (es
soll beschreibend und nicht wertend, ferner möglichst konkret sein, unmittelbar
erfolgen und vor allem in der Ich-Form gegeben werden).
Natürlich habe ich diese Regeln weitgehend in meine
Persönlichkeit integriert, so daß ich sie mir nicht einzeln aufsagen muß,
bevor ich ein Feedback gebe. Dies nämlich würde meine Spontaneität um einiges
behindern. So hatte ich denn auch ziemlich schnell die Formulierung auf der
Zunge:
«Mich berührt sehr deine lebendige Art, aber Segelclubs und
das alles interessieren mich weniger. »
Fast wäre mir der Satz in dieser Urform herausgerutscht,
gottlob merkte ich im letzten Moment, daß die beiden Feedback-Teile durch das
Spaltwort «aber» verbunden waren, wodurch bekanntlich der erste Teil entwertet
wird. Getreu der Gestaltregel von Fritz Perls ersetzte ich im letzten Moment das
«aber» durch ein «und». So fuhr es aus mir heraus:
«Mich berührt sehr deine lebendige Art, und Segelclubs und
das alles interessieren mich weniger. »
Wobei ich die während des ersten Teils («mich berührt sehr
deine lebendige Art») gefühlte Nähe nonverbal durch leichte Aufnahme von
Körperkontakt unterstrich.
Natürlich schaute sie etwas verwirrt - ich kenne und erwarte
dies schon bei Menschen, die noch keine Selbsterfahrung und kein Training erlebt
haben. So ist es mehr als verständlich, daß sie nicht vorbereitet sind, Dinge
so direkt anzusprechen; auch Körperkontakt ist bei solchen Menschen noch ein
großes Tabu. Es ist deswegen außerordentlich wichtig, sie nicht zu
überfordern.
Ich konnte also nicht davon ausgehen, daß sie von sich aus
nun ebenfalls ein Feedback nach den Regeln der Kunst zurückgeben würde. Um
eine wirkliche Begegnung zu fördern, erlaubte ich mir daher eine kleine
Intervention und fragte:
«Was macht das jetzt mit dir?» Etwas irritiert sagte sie:
«Ja, was interessiert dich denn - ich mein, man kann doch nicht dauernd nur
Tiefschürfendes reden! »
Da haben wir es! - durchfuhr es mich, da haben wir es, dieses
anonyme «man», hinter dem sich doch wohl ganz persönliche Erfahrungen und
Gefühle verbergen. Wie schon bei ihren externalen Gesprächsinhalten finden wir
hier dieselbe Tendenz vor, nämlich die eigene Person herauszuhalten. Ich
beschloss, ihr durch aktives Zuhören einen kleinen Dienst zu erweisen, ihr zu
helfen, die hinter dem «man» verborgene Ich-Botschaft nach und nach ans Licht
zu heben steckt doch schließlich hinter einem «man kann nicht» in der Regel
ein stark gefühlsbeladenes «ich will nicht»!
Erst wollte ich sagen: «Es fällt dir schwer, über Dinge zu
sprechen, die dich persönlich berühren und die etwas tiefer gehen?» doch
dann, während ich schon ansetzte zu sprechen, folgte ich einer Eingebung und
suchte die Sache nicht ganz so drastisch auszudrücken und benutzte einige
Abschwächungen, um ihr eine nicht-defensive Auseinandersetzung zu erleichtern:
«Ist es ein bisschen so, dass es dir manchmal etwas leichter
fällt, über Dinge zu reden, die ein klein wenig weiter wegliegen und dich
persönlich nicht ganz so berühren?»
Sie runzelte die Stirn und fragte: «Sag mal, was meinste denn
damit?»
Diesmal antwortete ich wie aus der Pistole geschossen: «Du
überlegst, was das sein könnte, und es fällt dir auf Anhieb nicht so recht
was ein?»
Maria rückte mit ihrem Körper ab und nahm dabei ihre Hand
unter der meinen heraus, so dass der von mir im Zusammenhang mit «Mich berührt
deine sehr lebendige Art» herbeigeführte Körperkontakt wieder gelöst war.
Ich selbst hatte die Stellung unserer Hände schon eine Zeitlang als etwas
versteift und «eingefroren» erlebt, als nicht mehr ganz so stimmig wie zum
Zeitpunkt des Zustandekommens, hatte aber keine Möglichkeit gesehen, meine Hand
wieder zu entfernen, ohne womöglich den fälschlichen Eindruck der Ablehnung
ihrer Person zu hinterlassen.
Sie sagte: «Also manchmal spinnst du ein bisschen!»
Das war nun reine Abwehr, noch dazu in Form einer
Du-Botschaft. Aber man muß sich immer vor Augen halten, dass Maria nicht darin
geübt ist, über persönliche emotionale, vielleicht unliebsame
Erfahrungsinhalte zu sprechen. So ist dieses Verhalten als Verteidigung in einer
vermeintlichen Notlage nur allzu verständlich. Auch kam mir zum Bewusstsein,
dass ich durch mein einfühlendes Verstehen in den letzten Äußerungen
vielleicht eine Spur zu «therapeutisch» gewirkt habe - so dass sie sich auf
der Beziehungsebene womöglich wie ein Patient behandelt gefühlt haben mag.
Nun stand ich am Scheidewege: Sollte ich durch
Metakommunikation die Störung ansprechen und eine Beziehungsklärung anstreben?
Oder sollte ich ein Stück Selbsteinbringung realisieren, also ganz als Mensch
von mir selbst sprechen und so ein Modell sein für Selbstöffnung, um es ihr zu
erleichtern, sich ebenfalls ein wenig zu offenbaren?
Ich entschied mich für letzteres. Schon aus dem Grunde, weil
ich mich am wohlsten fühle, wenn ich ganz ich selbst sein kann.
Also sagte ich: «Weißt du, mir geht es selber manchmal so,
dass ich so alles Mögliche rede, so oberflächliches Zeug, was mit mir selber
gar nichts zu tun hat - vielleicht weil ich irgendwie Angst habe, wenn ich zuviel
von mir persönlich erzähle, dann werde ich vielleicht abgelehnt. »
Da sie nichts sagte, fuhr ich fort und setzte gleichsam noch einen 1-Punkt auf
das Vorherige: «... oder dass ich mich vielleicht sogar selbst ablehne! »
Obwohl ich unwillkürlich ein ganz ernstes Gesicht und einen bedeutungsvollen
Ausdruck bekam, zuckte Maria nur mit den Schultern und sagte: «Das ist doch
normal - noch ein Bier? Ich muss auch bald gehen. »
Irgendwie fühlte ich mich nicht ganz angenommen, fand ihre Reaktion etwas
undankbar angesichts meiner Selbstoffenbarungsleistung. Immerhin hatte ich doch
ziemlich viel von mir preisgegeben. -Wegen dieses Gefühls und weil es mir
schien, daß sie etwas von der Lebendigkeit verloren hatte, die ich anfangs an
ihr schätzte, hielt ich es jetzt für an der Zeit, die Ebene zu wechseln und
durch Metakommunikation an der Störung zu arbeiten:
«Weißt du - mir fällt es nicht ganz leicht, das jetzt auszusprechen, und ich
merk, wie ich mir einen kleinen Ruck dazu geben muß - also ich möchte mal
ansprechen, wie wir hier miteinander reden, also wie ich das erlebe: Ich fühle
irgendwie eine unsichtbare Wand zwischen uns und daß ich immer dagegen anrenne
und dich nicht wirklich erreiche - verstehst du? Ich höre zwar mit den Ohren,
was du sagst, aber ich spüre nicht richtig etwas von dir ... »
An dieser Stelle passierte etwas Unglaubliches. Ohne jede Vorankündigung griff
Maria plötzlich zu ihrem Glas - und goß mir mit Schwung ihr ganzes Bier aufs
Hemd. Und lachte etwas albern und sagte: «Damit du mal was von mir spürst,
haha!»
Und stand auf, um zu gehen.
Es gab in meinem neuen Leben kaum einen Augenblick, wo ich so sehr wie jetzt in
Versuchung war, in mein altes Verhalten zurückzufallen. Früher hätte ich wohl
gebrüllt und mit «Du widerliche Sau!» eine rüde Du-Botschaft ausgestoßen.
Natürlich weiß ich heute, daß ich durch ein derartiges Verhalten nur etwas
Herabsetzendes über sie sagen würde und dabei ganz im unklaren ließe, was
denn überhaupt in mir vorgeht.
Da mir nach Metakommunikation und Verständnis im Augenblick überhaupt nicht
zumute war - man bedenke das widerwärtig nasse Hemd auf der Haut - und da ich
auch und gerade als Psychologe zu meinen Gefühlen im Hier und Jetzt stehen
möchte, entschloss ich mich zur sofortigen Echtheit und sagte ganz spontan mit
lauter Stimme, ohne dabei im mindesten zu lächeln: «Ich bin jetzt sehr
wütend, Maria!!»
Da Maria wortlos ging (Aggressions- und Fluchttendenzen sind typische Reaktionen
auf Situationen, in denen man sich unzulänglich
fühlt), war es mir nicht mehr möglich, meine Störung anzumelden und hilfreich
auf sie einzugehen. Ich fühle, daß noch etwas Unerledigtes zwischen uns ist,
und wir werden daran beim nächstenmal wohl arbeiten müssen. Auch nahm ich mir
vor, die Sache in meiner Supervisionsgruppe vorzutragen, um meinen eigenen
Anteil an dem Geschehen zu klären (hatte sie mich nicht doch an der einen
Stelle an meine Mutter erinnert?).
Jedenfalls zeigt die Geschichte sehr deutlich, wie schwierig
sich die Kommunikation mit jemandem gestaltet, der noch nicht so weit ist, dem
das seelische Rüstzeug für eine wirkliche Begegnung noch fehlt.
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Als Gott die Welt
erschuf
Es war vor langer
Zeit, als Gott das Universum schuf.
Er schuf die Sonne und den Mond und unseren Planeten,
er schuf die Meere und die Berge auf diesem Planeten,
die Pflanzen, die Tiere und den Menschen.
Als er alles erschaffen hatte, gab es nur noch eines, was
auf dieser Welt fehlte - die Wahrheit.
Und Gott überlegte sich sehr genau, wohin er die Wahrheit
tun sollte, denn die Menschen sollten sich anstrengen müssen,
sie zu finden. Sollte er sie auf einen fremden Stern packen oder in kleine Stücke
über alle Weltmeere verteilen?
Aber all dies schien ihm keine gute Idee.
Schließlich kam ihm die zündende Idee und... er packte
die Wahrheit in das Herz eines jeden Menschen.
Was
bedeutet das für uns?
Gibt
es die objektive Wahrheit oder ist es nicht vielmehr so
dass jeder die Wahrheit in sich finden muss.
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Zwei Engel
Zwei
reisende Engel machten Halt, um die Nacht im Hause einer wohlhabenden Familie zu
verbringen. Die Familie war unhöflich und verweigerte den Engeln, im Gästezimmer
des Haupthauses auszuruhen.
Anstelle dessen bekamen sie einen kleinen Platz im kalten Keller. Als sie sich
auf dem harten Boden ausstreckten, sah der ältere Engel ein Loch in der Wand
und reparierte es. Als der jüngere Engel fragte, warum, antwortete der ältere
Engel: "Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen."
In der nächsten Nacht rasteten die beiden im Haus eines sehr armen, aber
gastfreundlichen Bauern und seiner Frau. Nachdem sie das wenige Essen, das sie
hatten, mit ihnen geteilt hatten, ließen sie die Engel in ihrem Bett schlafen,
wo sie gut schliefen. Als die Sonne am nächsten Tag den
Himmel erklomm, fanden die Engel den Bauern und seine Frau in Tränen.
Ihre einzige Kuh, deren Milch ihr alleiniges Einkommen gewesen war, lag tot auf
dem Feld. Der jüngere Engel wurde wütend und fragte den älteren Engel, wie er
das habe geschehen lassen können? "Der erste Mann hatte alles, trotzdem
halfst du ihm", meinte er anklagend. Die zweite Familie hatte wenig, und du
ließest die Kuh sterben."
"Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen", sagte der
ältere Engel. "Als wir im kalten Keller des Haupthauses ruhten, bemerkte
ich, dass Gold in diesem Loch in der Wand steckte. Weil der Eigentümer so von
Gier besessen war und sein glückliches Schicksal nicht teilen
wollte, versiegelte ich die Wand, sodass er es nicht finden konnte. Als wir dann
in der letzten Nacht im Bett des Bauern schliefen, kam der Engel des Todes, um
seine Frau zu holen. Ich gab ihm die Kuh anstatt dessen. Die Dinge sind nicht
immer das, was sie zu sein scheinen."
Manchmal ist das genau das, was passiert, wenn die Dinge sich nicht als das
entpuppen, was sie sollten. Wenn du Vertrauen hast, musst du dich bloß darauf
verlassen, dass jedes Ergebnis zu deinem Vorteil ist. Du magst es nicht
bemerken, bevor ein bisschen Zeit vergangen ist...
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Das
Märchen vom reichen Hasen "Tuessofort"
Vor
langer, langer Zeit als die Tiere noch sprechen konnten, gab es einmal den
jungen Hasen, den nannten alle "Tuesnachher", der so gern erfolgreich
sein wollte.
Tuesnachher träumte jeden Tag, wie es sein würde, wenn er reich wäre. Er
machte Pläne, was er tun werde, wenn erfolgreich sein würde. Doch alle seine
Ziele blieben unerreichbar. Immer wieder träumte und plante er.
Tuesnachher erzählte jedem, wie er
erfolgreich sein würde, wie seine Träume war werden würden. Und jedesmal,
wenn er seinen Freunden von seinen Plänen erzählte, kam
irgendetwas dazwischen. Wenn seine Mutter sagte, er möge sein Zimmer aufräumen,
so sagte er immer: "Ja, ich mach es nachher". Dann ging er zu seinen
Freunden, spielte mit Ihnen, trank Karottenschnaps und erzählte allen, wie
erfolgreich er sein könnte. So hielt er es mit vielen Dingen.
Als wieder einmal einer der großen Träume des kleinen Tuesnachher, die er
geplant hatte und er schon allen seinen Freunden bei einer Runden
Karottenschnaps erzählt hatte, wie erfolgreich er sein wird, geplatzt war, lief
er vollkommen verzweifelt in den Wald. Er setzte sich unter einen Baum und
weinte bitterlich. "Ach, die Welt ist so ungerecht. Ich kann planen wie ich
will, alles funktioniert nicht. Es ist alles so traurig und gemein. Alle sind
gegen mich." Und so wehklagte und weinte er und vollkommen verzweifelt
schlief er ein. Mitten in der Nacht erwachte er. Dunkel und finster war es. Über
ihm auf einem Ast sah er die weise Eule sitzen. Er hatte sie schon oft am Tage
gesehen, aber sie hatte immer geschlafen. Jetzt war die Eule wach und blickte
den kleinen Tuesnachher aus ihren weisen Augen an. "Na junger Mann, was
machst Du denn so allein hier um diese Zeit im Wald?"
"Ach, Eule. Ich bin so verzweifelt. Keiner hilft mir, alle sind
gegen mich. Ich bin ganz verzweifelt" Und der kleine Tuesnachher erzählte
der Eule, wie schlecht es ihm ergangen war. Die Eule hörte zu und als er fertig
war, sagte sie: "Mein kleiner Tuesnacher. Die Lösung Deiner Probleme liegt
in Deiner Hand. Wenn Du mit Dir ehrlich bist, weißt Du es auch. Wie willst Du
sein?" "Ich will reich sein, Eule!" "Und wann weißt Du, dass
Du reich bist?" Der kleine Tuesnachher überlegte kurz und antwortete:
"Wenn ich ganz viel Geld habe" Die Eule fragte: "Und wieviel Geld
ist genug?" "Wenn ich mir alles kaufen kann!" Darauf die Eule:
"Stelle Dir einmal vor, Du kannst Dir alles kaufen, was Du Dir für Geld
kaufen kannst! Mal Dir das in allen Einzelheiten aus" Und der kleine
Tuesnachher überlegte lange hin und her. Er stellte sich genau vor, wie es sich
alles kaufen könnte was er wollte. Und nach langer Überlegung merkte, dass ihm
etwas fehlte. Er sagte: "Eule, je länger ich darüber nachdenke, desto stärker
fühle ich, dass irgendetwas fehlt" Und die Eule antwortete ihm:
"Irgendwann wirst Du es wissen. Aber wenn Du dorthin kommen willst, so
denke einmal darüber nach, was Du heute tun kannst, damit Du Dein großes Ziel
erreichen kannst. Denke einmal über den heutigen Tag nach." Und der kleine
Hase Tuesnachher dachte darüber nach, wie seine Mutter ihn vergeblich gebeten
hatte, seine Arbeit jetzt zu tun, wie er lieber mit seinen Trinkfreunden
zusammengesessen hatte und große Träume und Pläne mit Ihnen gemacht hatte.
Und er erkannte, dass er viel verkehrt gemacht hatte. Er fragte sich, warum er
seine Arbeit nicht sofort getan hatte? Er fragte sich, wie es gewesen wäre,
wenn er seine Träume und Pläne für sich
behalten hätte? Er fragte sich, ob seine Freunde wirklich seine Freunde waren?
Und je mehr er darüber nachdachte, desto klarer wurde ihm, dass er sich seinen
Erfolg selbst zerstört hatte. Er erkannte, dass andere seine Pläne und Träume
nur dann stören konnten, wenn er selbst ihnen davon erzählte. Er erkannte, dass
er sich viel unnötige Arbeit ersparen konnte, wenn er seine Arbeit sofort tat.
Und er erkannte, dass vieler seiner angeblichen Freunde
die waren, die ihn immer wieder am Erfolg gehindert hatten. Und er erkannte noch
viele andere Dinge. Lange dachte er nach, der Morgen dämmerte schon. Und er beschloss,
sich zu ändern. Er wusste, dass er andere und die Welt nicht ändern konnte,
denn die Welt ist wie sie ist, wenn er sich nicht selbst änderte. Und er beschloss,
nach wahrem Reichtum zu streben. Und als die strahlende
Morgensonne aufging, hatte der kleine Hase Tuesnachher begonnen sich zu ändern.
Er wusste, wie er sein wollte, was er wollte und
so wurde er im Laufe der Zeit zum Hasen Tuessofort.
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Die Alternative
Ein Mann kommt zum Rabbi: "Rabbi - was ist das
eigentlich - eine Alternative?" Der Rabbi zögert etwas, studiert
aufmerksam das Gesicht des Fragenden und beginnt zu antworten: "Eine
Alternative? Das ist nicht so einfach. Ich mache Dir mal ein Beispiel.
Angenommen, nur einmal angenommen - Du hast ein Huhn. So ein Huhn kannst Du
schlachten, und dann hast Du eine schöne Hühnersuppe oder einen Hühnerbraten.
Du kannst allerdings auch warten, bis Dein Huhn ein Ei legt. Dann hast Du ein
Huhn und ein Ei."
"Aha", sagt der Frager, und ein erkennendes Leuchten zeigt sich auf
seinem Gesicht, "das ist also eine Alternative."
"Ja, warte mal ab", sagt der Rabbi, "die Geschichte ist noch
nicht zu Ende. Nehmen wir einfach mal an, Du entscheidest Dich fürs Eierlegen.
Dann hast Du irgendwann ein Huhn und ein Ei. Das Huhn ist ja ein Tier, das
kannst Du vor seiner Geburt und nach seinem Tod essen. Also so ein frisches Ei,
das gibt ein schönes Frühstücksei, oder Du kannst das Huhn natürlich auch brüten
lassen. Dann hast Du irgendwann zwei Hühner."
Die Augen des Fragenden beginnen wieder zu leuchten: "Aha, das ist also
eine Alterna... "
"Moment, Moment", stoppt ihn der Rabbi. "Die Geschichte ist noch
nicht zu Ende. Nehmen wir mal an, Du entscheidest Dich fürs Brüten, und Du
hast dann zwei Hühner und irgendwann acht Hühner und später dann über 100 Hühner.
Wenn jemand 100 Hühner hat, dann kann er sich überlegen, ob es nicht Zeit ist
für eine Hühnerfarm. Bei einer Hühnerfarm gibt es unterschiedliche Möglichkeiten.
Ich kann natürlich so eine Farm neben meinem Wohnhaus bauen. Das hat gewisse
Vorteile. Man ist immer dabei, man überblickt alles, und man hat immer die ganz
frischen Eier. Allerdings - die Geruchsbelästigung - die sollte man doch in
Betracht ziehen. Oder - man geht ins nahegelegene Flusstal. Die Hühner haben
ideale Bedingungen, frisches Wasser und saftiges Gras. Allerdings - man ist natürlich
nicht dabei. Vielleicht kommt nachts einmal der Fuchs oder ein Marder, und eines
morgens sind alle Tiere tot."
"Aha, das also ist... "
"Moment, Moment", unterbricht der Rabbi, "nicht so schnell, die
Geschichte ist noch nicht zu Ende. Nehmen wir mal an - nehmen wir einfach mal
an, Du entscheidest Dich für das Flusstal. Die Hühner haben ideale Bedingungen
und die Farm wächst und gedeiht: 100 Hühner, 200 Hühner, 500 Hühner und
schließlich über 1000 Hühner. Die größte und beste Hühnerfarm weit und
breit. Und - es beginnt zu regnen. Es regnet und regnet und regnet. Das ist sehr
ungewöhnlich für diese Region. Aber es regnet in einem fort. Das Wasser des
Flusses steigt und steigt und steigt. Und schließlich überflutet das Wasser
die Dämme, Deine Hühnerfarm und alle Hühner sind tot."
An dieser Stelle stoppt der Rabbi unvermittelt und schweigt.
Der Fragende wartet und scheint etwas ratlos. "Na und?", fragt er zögerlich,
"und wo ist jetzt hier die Alternative.. ?"
Der Rabbi antwortet: "Die Alternative? Enten, mein Lieber, Enten!"
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Lisas Geschichte
Vor nicht allzu langer Zeit lebten in
einer schwer zugänglichen und sumpfigen Gegend nur wenige Menschen in der Nähe
eines unberechenbaren Flusses, der wegen seiner starken Strömung, seinen vielen
Strudeln und Untiefen von den Menschen gefürchtet wurde und nur von wenigen
Fischern mit der gebotenen Vorsicht und unter Gottes schützender Hand befahren
werden konnte.
Am Ufer des Flusses steht eine schon
etwas windschiefe Kate. Sie wird in dieser Zeit von einer Frau namens Lisa
bewohnt, die unsterblich in Adam verliebt ist. Aber der Fluss trennt sie, und es
scheint, als würden sie niemals zueinander finden. Doch eines Tages, als ihr
mit den ersten Herbststürmen und den Schreien der Zugvögel die Sehnsucht das
Herz zu zerreißen droht, geht Lisa zu dem Fischer Valentin und bittet ihn, sie
mit dem Boot an das andere Ufer zu bringen.
Valentin, der mit den Gefahren des
Flusses bestens vertraut ist, versucht Lisa von ihrem Plan abzubringen. Als ihm
das nicht gelingt, empfiehlt er ihr, sich an seinen Kollegen Gustav zu wenden,
der auch ein Boot besitze und ihr vielleicht helfen werde, ihren Plan zu
verwirklichen.
Aber auch Gustav weist sie zunächst ab,
und erst nachdem Lisa ihm alles gibt, was sie besitzt, erklärt er sich
einverstanden, betont aber, damit sei nur das Hinbringen abgegolten und er
rudere zurück, nachdem er sie dort abgesetzt habe. Und so geschieht es, dass
Lisa nach stürmischer Fahrt den Adam endlich in ihre Arme schließen und mit
ihm eine stürmische Nacht verbringen kann.
Am Morgen des folgenden Tages sagt Adam
zu Lisa, er sei nun nicht mehr so angetan von ihr. Darum sei es am besten, sie
fahre gleich zurück. Und obwohl Lisa ihm erklärt, sie liebe ihn doch und
besitze nichts mehr außer dem, was sie auf dem Leib trage, bleibt er hart und rät
ihr, sich an den Fischer Martin zu wenden, der ein gutes Herz habe und sie schon
zurückbringen werde.
Als Martin Lisas ganze Geschichte hört,
ist er entsetzt über das Verhalten des Valentin, der sie hätte zurückhalten müssen,
über Gustavs Verhalten, der ihr nicht ihre ganze Habe hätte abnehmen dürfen,
und über Adam, der sie nach allem, was sie getan habe, doch nicht einfach zurückschicken
könne. Und er ist so fassungslos, dass er sich in den reißenden Fluss stürzt
und ertrinkt.
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Gespräch zwischen
Zündholz und Kerze
Es
kam der Tag, da sagte das Zündholz zur Kerze: "Ich habe den Auftrag, dich
anzuzünden."
"Oh nein", erschrak die Kerze, "nur das nicht. Wenn ich brenne,
sind meine Tage gezählt. Niemand mehr wird meine Schönheit bewundern."
Das Zündholz fragte: "Aber willst du denn ein Leben lang kalt und hart
bleiben, ohne zuvor gelebt zu haben?"
"Aber brennen tut doch weh und zehrt an meinen Kräften", flüstert
die Kerze unsicher und voller Angst.
"Es ist wahr", entgegnete das Zündholz. "Aber das ist doch das
Geheimnis unserer Berufung: Wir sind berufen, Licht zu sein. Was ich tun kann,
ist wenig.
Zünde ich dich nicht an, so verpasse ich den Sinn meines Lebens. Ich bin dafür
da, Feuer zu entfachen.
Du bist eine Kerze. Du sollst für andere leuchten und Wärme schenken. Alles,
was du an Schmerz und Leid und Kraft hingibst, wird verwandelt in Licht. Du
gehst nicht verloren, wenn du dich verzehrst. Andere werden dein Feuer
weitertragen. Nur wenn du dich versagst, wirst du sterben."
Da spitzte die Kerze ihren Docht und sprach voller Erwartung: "Ich bitte
dich, zünde mich an!"
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Du
bekommst was du denkst
Ein
Mann lebte mit seinem Stand am Straßenrand und verkaufte Würstchen.
Er war schwerhörig, deshalb hatte er kein Radio. Er sah schlecht deshalb las er
keine Zeitung. Aber er verkaufte köstliche, heiße Würstchen.
Es sprach sich herum und die Nachfrage stieg von Tag zu Tag. Er investierte in
einen größeren Stand, einen größeren Herd und musste immer mehr Wurst und Brötchen
einkaufen. Er holte seinen Sohn nach dessen Studium an der Uni zu sich, damit er
ihn unterstützte.
Da geschah etwas...
Sein Sohn sagte: "Vater, hast du denn nicht im Radio gehört, eine schwere
Rezession kommt auf uns zu. Der Umsatz wird zurückgehen - du solltest nichts
mehr investieren!"
Der Vater dachte: "Nun, mein Sohn hat studiert, er schaut täglich
Fernsehen, hört Radio und liest regelmäßig den Wirtschaftsteil der Zeitung.
Der muss es schließlich wissen."
Also verringerte er seine Wurst- und Brötcheneinkäufe und sparte an der Qualität
der eingekauften Waren.
Auch verringerte er seine Kosten, indem er keine Werbung mehr machte. Und das
Schlimmste: Die Ungewissheit vor der Zukunft ließ ihn missmutig werden im
Umgang mit seinen Kunden.
Was daraufhin passierte? Es ging blitzschnell: Sein Absatz an heißen Würstchen
ging drastisch zurück.
"Du hast recht mein Sohn, sagte der Vater, es steht uns tatsächlich eine
schwere Rezession bevor."
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Zuhören
können
Was
die kleine konnte wie kein anderer, das war: Zuhören.
Das ist doch nichts Besonderes, wird mancher sagen, zuhören kann doch jeder.
Aber das ist ein Irrtum.
Wirklich zuhören können nur ganz wenige Menschen.
Und so wie Momo sichs aufs Zuhören verstand, war es ganz und gar einmalig.
Momo konnte so zuhören, dass dummen Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken
kamen.
Nicht etwa, weil sie etwas sagte oder fragte, was den anderen auf solche
Gedanken brachte; nein sie saß nur da und hörte einfach zu, mit aller
Aufmerksamkeit und aller Anteilnahme.
Dabei schaute sie den anderen mit ihren großen, dunklen Augen an, und der
Betreffende fühlte, wie in ihm auf einmal Gedanken auftauchten, von denen er
nie geahnt hatte, dass sie in ihm steckten.
Sie konnte so zuhören, dass ratlose oder unentschlossene Leute auf einmal ganz
genau wußten, was sie wollten.
Oder dass Schüchterne sich plötzlich frei und mutig fühlten.
Oder dass Unglückliche und Bedrückte zuversichtlich und froh wurden.
Und wenn jemand meinte, sein Leben sei ganz verfehlt und bedeutungslos und er
selbst nur einer unter Millionen, einer auf den es überhaupt nicht ankommt und
der ebenso schnell ersetzt werden kann wie ein kaputter Topf -
und er ging hin und erzählte alles das der kleinen Momo,
dann wurde ihm, noch während er redete, auf geheimnisvolle Weise klar, dass er
sich gründlich irrte, dass es ihn, genauso wie er war,
unter allen Menschen nur ein einziges Mal gab
und dass er deshalb auf seine besondere Weise für die Welt wichtig war.
So
konnte Momo zuhören!
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Warum weinen Frauen so
leicht...
Ein kleiner Junge fragte seine Mutter: "Warum weinst du?"
"Weil ich eine
Frau bin," erzählte sie ihm. "Das versteh ich
nicht," sagte er. Seine Mama
umarmte ihn nur und sagte:" Und das wirst du auch
niemals." Später fragte
der kleine Junge seinen Vater:" Warum weint Mutter
scheinbar ohne einen
Grund?" Alle Frauen weinen ohne Grund," war
alles, was sein Vater sagen
konnte. Der kleine Junge wuchs heran, wurde ein Mann und
fragte sich immer
noch, warum Frauen weinen. Endlich rief er das Höchste
Wesen an, und als
das Höchste Wesen ans Telefon kam, fragte er:
"Höchstes Wesen, warum weinen
Frauen so leicht?"
Das Höchste Wesen sagte: " Als ich die Frau machte, musste sie etwas
Besonderes sein.
Ich machte ihre Schultern stark genug, um die Last der Welt
zu tragen, doch
sanft genug, um Trost zu spenden.
Ich gab ihr innere Kraft, um sowohl Geburten zu ertragen,
wie die
Zurückweisungen, die sie von ihren Kindern erfährt.
Ich gab ihr Härte, die ihr erlaubt weiterzumachen, wenn
alle anderen
aufgeben und ihre Familie in Zeiten von Krankheit und
Erschöpfung zu
versorgen, ohne sich zu beklagen.
Ich gab ihr Gefühlstiefe, mit der sie ihre Kinder immer
und unter allen
Umständen liebt, sogar wenn ihr Kind sie sehr schlimm
verletzt hat.
Ich gab ihr Kraft, ihren Mann mit seinen Fehlern zu
ertragen und machte sie
aus seiner Rippe, damit sie sein Herz beschützt.
Ich gab ihr Weisheit, damit sie weiß, dass ein guter
Ehemann niemals seine
Frau verletzt, aber manchmal ihre Stärke und ihre
Entschlossenheit testet,
unerschütterlich zu ihm zu stehen.
Und zum Schluss gab ich ihr eine Träne zum Vergießen. Die ist
ausschließlich für sie, damit sie davon Gebrauch macht,
wann immer es nötig
ist.
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Es war einmal....
Vor langer, langer Zeit existierte eine Insel, auf der alle Gefühle der
Menschen lebten: die gute Laune, die Traurigkeit, das
Wissen ? und so wie
alle anderen Gefühle, auch die Liebe. Eines Tages wurde
den Gefühlen
mitgeteilt, dass die Insel sinken würde. Also bereiteten
alle ihre Schiffe
vor und verließen die Insel. Nur die Liebe wollte bis zum
letzten
Augenblick warten. Bevor die Insel sank, bat die Liebe um
Hilfe.
Der Reichtum fuhr auf einem luxuriösen Schiff an der Liebe vorbei. Sie
fragte: "Reichtum, kannst du mich mitnehmen?"
"Nein, ich kann nicht. Auf
meinem Schiff habe ich viel Gold und Silber. Da ist kein
Platz für dich."
Also fragte die Liebe den Stolz, der auf einem wunderbaren Schiff
vorbeikam: " Stolz, ich bitte dich, kannst du mich
mitnehmen ?", "Liebe,
ich kann dich nicht mitnehmen..." antwortete der
Stolz, "hier ist alles
perfekt. Du könntest mein Schiff beschädigen".
Also fragte die Liebe die Traurigkeit, die an ihr vorbeiging:
"Traurigkeit,
bitte, nimm mich mit", "Oh Liebe" sagte die
Traurigkeit, "ich bin so
traurig, dass ich alleine bleiben muss. ".
Auch die Gute Laune ging an der Liebe vorbei, aber sie war so zufrieden,
dass sie nicht hörte, dass die Liebe sie rief.
Plötzlich sagte eine Stimme : "Komm Liebe, ich nehme dich mit" Es
war ein
Alter, der sprach. Die Liebe war so dankbar und so
glücklich, dass sie
vergaß den Alten nach seinem Namen zu fragen. Als sie an
Land kamen, ging
der Alte fort. Die Liebe bemerkte, dass sie ihm viel
schuldete und fragte
das Wissen: "Wissen, kannst Du mir sagen, wer mir
geholfen hat?"
"Es war die Zeit" antwortete das Wissen. "Die Zeit ?",
fragte die Liebe,
"Warum hat die Zeit mir geholfen ?" Und das
Wissen antwortete: "Weil nur die Zeit versteht, wie wichtig die Liebe im
Leben ist."
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Die Geschichte vom Dorftrottel
Vor
langer Zeit - im letzten Jahrhundert oder so - lebte in einem kleinen russischen
Dorf ein Mann, der als Kind manches etwas langsamer gelernt hatte als andere
Kinder. Deshalb kam man im Dorf zu der Meinung, er sei etwas dumm - und das
sagte man ihm auch bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit. Der Mann bemühte
sich sehr, alles genau so zu machen und zu sagen wie seine Mitdörfler - aber je
mehr er sich bemühte, desto mehr nahmen
die Mitdörfler seine Bemühen als Beweis, das er etwas dumm, kurz ein Trottel,
sei und lachten ihn aus und hänselten ihn. Der Mann konnte das nicht verstehen:
Er machte doch alles genau so wie die anderen und trotzdem wurde er immer nur
als Trottel behandelt.
Eines
Tages kam ein Heiliger auf Wanderschaft in das Dorf. Er unterhielt sich mit den
Dorfbewohnern über Sorgen und Nöte, Gott und die Welt. Die Dorfbewohner waren
sich einig, das dies ein wirklich weiser Mann war. Da fasste sich unser
Dorftrottel ein Herz und er sprach den Fremden im Vertrauen an. Er schilderte
ihm sein Problem und wie er von seinen Mitdörflern angesehen wird.
Der
Heilige hörte sich die Geschichte an, sah dem "Dorftrottel" intensiv
an und sagte: "Das ist leicht zu ändern. Du musst nur folgendes tun: Jedes
mal, wenn ein Dorfbewohner etwas mit dir spricht und dabei eine Aussage macht
oder eine Erfahrung berichtet, dann musst du antworten: 'Das glaube ich nicht,
beweise es mir!' oder ' wie kannst du dessen sicher sein'."
Und
der Heilige fuhr nach kurzer Pause fort: "Der Witz an der Sache ist: Diese
Fragen sind nicht zu beantworten. Es gibt nichts zu beweisen. Wenn jemand zu dir
sagt 'Heute ist aber ein schöner Frühlingsmorgen" und du sagst 'Beweise
mir, das der Morgen schön ist! Woher willst du wissen, dass das war ist?' dann
wird dieser Mensch verstummen und sich beschämt fühlen, denn er
kann es nicht beweisen. Und wenn jemand sagt 'Die Rosen duften wunderbar' dann
sagst du einfach wieder 'Beweise mir, das die Rosen wirklich wunderbar duften'.
Die Leute werden sich dir automatisch unterlegen fühlen."
Der
Heilige überzeugte sich noch, das unser "Dorftrottel" die Sache
richtig verstanden hatte, dann sagte er: "Ich reise morgen weiter. Nächstes
Jahr will ich wieder hier im Dorf sein, dann berichte mir, wie sich die Sache
angelassen hat".
Ein
Jahr später war der Heilig wieder im Dorf. Der ehemalige Dorftrottel war jetzt
der Einberufende des Dorfrates und wurde wegen seines großen Wissens und seiner
Weisheit von vielen Dorfbewohnern um Rat gefragt - kurz: er genoss ein großes
Ansehen. Zu dem Heiligen aber sprach er: "Es ist komisch: Letztes
Jahr war ich noch der Dorftrottel, jetzt gelte ich als weise. Ich habe alles
befolgt, was du mir geraten hast. Und dabei bin ich doch noch derselbe Mensch.
Das alles nur, weil ich die Menschen immer wieder auffordere, mir zu beweisen, dass
die Dinge wirklich so sind, wie sie sie erleben. Ich hätte nicht gedacht, dass
es so einfach ist."
Da
sah ihn der Heilige lange an und sprach endlich: "Was glaubst du, wie ich
ein Heiliger geworden bin?"
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Der Tempel der
Spiegel
Vor langer Zeit gab
es in China den Tempel der Spiegel. Mein Großvater erzählte mir davon, er
hatte es von einem Bekannten gehört, der lange in China war, und dort von einem
weisen Mönch diese Geschichte erfahren hatte. Der Tempel also, er lag auf der
Spitze eines Berges und äußerlich recht unscheinbar. Eines Tages kam ein Hund
in diesen Tempel, in dem abertausende von Spiegeln so aufgestellt waren, dass
das eigene Spiegelbild sich tausendfach im Tempel wiederspiegelte.
Der Hund erschrak, bekam Angst und knurrte und fletschte böse die Zähne. Und
tausend Hunde schauten ihm entgegen und knurrten, und fletschen böse die
Zähne. Der Hund ergriff die Flucht. Von nun an dachte er, dass es auf der
ganzen Welt nur lauter böse Hunde gäbe, die mit ihm kämpfen und ihn beißen
wollten.
Ein paar Tage
später kam ein anderer Hund in diesen Tempel. Als er die tausend anderen Hunde
sah, da freute er sich, wedelte mit dem Schweif und sprang herum, und tausend
andere Hunde freuten sich, wedelten mit dem Schweif und spielten mit ihm.
Dieser Hund kehrte
mit der festen Überzeugung zurück, dass es auf der ganzen Welt nur lauter
freundliche Hunde gäbe, die mit ihm spielen wollen.
Der weise Mönch
fragte: „Was ist der Unterschied zwischen diesen beiden Hunden?“
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Installiere
Liebe in dein Herz
Kundenservicecenter
(K.S.C.): Wie kann ich ihnen helfen ?
Kunde: Ich habe gerade das Programm LIEBE gekauft. Bin technisch nicht sehr
begabt, aber ich glaube ich bekomme das mit ihrer Hilfe hin. Was muss ich als
erstes machen ?!
K.S.C.: Das erste was sie tun müssen, ist ihr HERZ zu öffnen. Haben sie es
gefunden ?!
Kunde: Ok, aber da sind andere Programme, die gerade ausgeführt werden. Kann
ich die Installation fortführen, wenn diese Programme noch laufen ?!
K.S.C.: Was für Programme sind das ?!
Kunde: Mal sehen ... Also das sind GEBROCHENEHERZEN.EXE,
GERINGSCHAETZUNG.EXE, EIFERSUCHT.PPT ... Ah! und VERBITTERUNG.COM startet
gerade.
K.S.C.: Kein Problem! ... LIEBE.EXE wird automatisch GEBROCHENEHERZEN.EXE aus
ihrem Betriebssystem löschen. Es wird zwar in ihrem Hauptspeicher verbleiben,
wird jedoch nicht mit anderen Programme in Konflikt geraten. LIEBE.EXE wird
temporär GERINGSCHAETZUNG.EXE mit dem Modul HOCHSCHAETZUNG.EXE überschreiben.
Jedoch ist es von Wichtigkeit, daß sie die Programme ZORN.EXE und
VERBITTERUNG.COM komplett schließen, da diese Programme die Installation von
LIEBE.EXE verfälschen kann. Können sie diese nun schließen ?!
Kunde: Ich weiß nicht so genau wie, können sie mir sagen wie ?!
K.S.C.: Klar mit Vergnügen. Gehen sie auf das Startmenü und starten sie die
Anwendung. VERGESSEN.EXE. Wiederholen sie, diese Schritte solange bis ZORN.EXE
und VERBITTERUNG.COM komplett gelöscht wurden.
Kunde: Ahh gut! ... scheint zu funktionieren ... LIEBE.EXE beginnt
automatisch sich zu installieren, ist das normal ?!
K.S.C.: Ja das ist es. Jetzt müssten sie eine Dialogbox bekommen, die anzeigt, dass
es sich für immer in das Verzeichnis IHR HERZ installiert. Sehen sie's ?!
Kunde: Ja ich seh's! Schon fertig ?!
K.S.C.: Ja klar, aber denken sie dran, dass sie nur das Basisprogramm installiert
haben, jetzt benötigen sie noch die Datei HERZ.COM an einem anderen Computer,
um ständige Aktualisierungen zu bekommen.
Kunde: UUUUPS! Ich habe eine Fehlermeldung, was soll ich tun ?!
K.S.C.: Was für eine Fehlermeldung ?
Kunde: hm .. ERROR 412 - PROGRAMM KANN NICHT IN INTERNE KOMPONENTEN AUSGEFÜHRT
WERDEN ... was heißt das ?!
K.S.C.: Sorgen sie sich nicht, das ist ein allgemeiner Fehler, es bedeutet, dass
die Anwendung LIEBE sich in externe HERZEN ausführt, aber jedoch noch nicht in
ihrem eigenen. Das heißt sie müssen, eine Datei suchen namens FREUNDSCHAFT.BAT
und diese in MOEGLICHELIEBE.BAT umbenennen. Das ist eines der Probleme, die wir
immer noch nicht haben lösen können weil jeder Computer anders läuft, das
heißt aber nicht, dass das Programm LIEBE.EXE technisch nicht einwandfrei
läuft. Programmtechnisch heißt das, dass die das Programm LIEBE erst
ausführen müssen, bevor es LIEBEN kann mit anderen Computern.
Kunde: Was soll ich tun ?!
K.S.C.: Können Sie das Verzeichnis AKZEPTANZ finden ?!
Kunde: Ja hab's gefunden!
K.S.C.: Prima, sie gehen einen guten Weg ...
Kunde: Danke
K.S.C.: Bitte sehr, klicken sie auf folgende Dateien und kopieren
sie
diese in das Verzeichnis MEIN HERZ: SELBSTVERGESSEN.DOC, SELBSTBEWUSSTSEIN.TXT,
BESSERUNG.TXT und GUETE.DOC und das System wird jede Datei überschreiben, die
Konflikte und Abstürze verursachen. Sie müssen auch die Dateien
SELBSTKRITIK.XLS und SCHULD.COM aus allen ihren Verzeichnissen löschen und den
Papierkorb leeren, um sicher zu gehen, dass sie nie mehr auftauchen.
Kunde: Gefunden! ... MEIN HERZ füllt sich mit den angegebenen Dateien, das
Video LAECHELN.MPG ist grad sichtbar auf meinem Monitor und VERLIEBTHEIT.COM,
FRIEDE.COM und ILLUSION.COM schreiben sich gerade in MEIN HERZ rein.
K.S.C.: Also ist die Anwendung LIEBE installiert und müsste sich normal
ausführen lassen. Noch etwas zum Abschluß ...
Kunde: Ja ?!
K.S.C.: LIEBE ist "Freeware". Vergessen sie nicht es weiterzubreiten
und mit all seinen Modulen allen Leuten zu senden, die sie kennen. Das
garantiert, dass die Dateien in Ihrem Computer immer gut organisiert sind und dass
sie immer die gewünschten Dateien vom mit ihnen verbundenen Computer immer
zurückerhalten.
Kunde: Klar werde ich das tun, Danke für ihre Hilfe.
K.S.C.: Es war mir ein Vergnügen Ihnen zu helfen.
Installiere
LIEBE in DEIN HERZ!
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Die
Frösche im Milchtopf
Auf
dem Bauernhof stand ein Eimer. Zwei Frösche kamen vorbei und waren neugierig,
was da wohl im Eimer sei. Also sprangen sie mit einem großen Satz in den Eimer.
Es stellte sich heraus, dass das keine so gute Idee gewesen war, denn der Eimer
war halb gefüllt mit Milch. Da schwammen die Frösche nun in der Milch, konnten
aber nicht mehr aus dem Eimer springen, da die Wände zu hoch und zu glatt
waren.
Der Tod war Ihnen sicher.
Der eine der beiden Frösche war verzweifelt. "Wir müssen sterben",
jammerte er "hier kommen wir nie wieder heraus." Und er hörte mit dem
Schwimmen auf, da alles ja doch keinen Sinn mehr hatte.
Der Frosch ertrank in der Milch.
Der andere Frosch aber sagte sich: "Ich gebe zu, die Sache sieht nicht gut
aus. Aber aufgeben tue ich deshalb noch lange nicht. Ich bin ein guter
Schwimmer! Ich schwimme, so lange ich kann."
Und so stieß der Frosch kräftig mit seinen Hinterbeinen und schwamm im Eimer
herum. Immer weiter. Er schwamm und schwamm und schwamm. Und wenn er müde
wurde, munterte er sich selbst immer wieder auf. Tapfer schwamm er immer weiter.
Und irgendwann spürte er an seinen Füßen eine feste Masse. Ja tatsächlich -
da war keine Milch mehr unter ihm, sondern eine feste Masse. Durch das Treten
hatte der die Milch zu Butter geschlagen! Nun konnte er aus dem Eimer in die
Freiheit springen.
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Vom Frieden und
vom Sturm
Francesca:
Sag mal .. Marcello .. was ist eigentlich Frieden? Ist Nonno friedlich, wenn er
auf seinem Stuhl in der Sonne sitzt?
Marcello:
Nonno? Friedlich? Ich würde sagen er ist gemütlich, oder müde, oder
nachdenklich .. oder einfach nur neugierig, weil er der Sonne zusehen möchte,
wie sie im Meer versinkt.
Francesca:
Dann ist Frieden sich, wenn die Menschen keinen Krieg führen, oder?
Marcello:
Frieden bedeutet nicht die Abwesenheit von Krieg .. Frieden kann auch mitten im
Krieg bestand haben, geschehen, wirken ..
Francesca:
Aber Marcello, das verstehe ich nicht .. wie kann es mitten im krieg Frieden
geben?
Marcello:
Tja, indem die Menschen an den Frieden glauben und versuchen mit Ihren Gedanken
einen Frieden herbeizuführen .. indem sie den Soldaten schöne Briefe schreiben
.. und Pakete schicken und Fotos . indem sie beten .. Gebete sind ein Zeichen
des Friedens ..
Francesca:
Ah .. das hat dir sicher Monsignore Passorelli erzählt, stimmt´s?
Marcello:
Nein, ich habe selber erlebt, dass Frieden mitten im Sturm entstehen kann ..
überleg doch mal .. wann ist unsere Mamma am friedlichsten? Wenn sie nichts
tut? Wenn sie neben Nonno sitzt und mit ihm in die Sonne schaut? Nein, dann wird
sie immer zappelig. Aber beobachte sie einmal beim Kochen, beim Paste machen, da
lacht sie, da singt sie, das macht ihr Freude .. da blüht sie auf .. und .. sie
strahlt Frieden aus .. Frieden ist ein Moment des Glücks .. der Erfülltheit ..
ein Zeichen der Freude ..
Francesca:
Ah, ja .. ich verstehe .. aber sag .. Marcello .. als Zia Peppina gestorben ist,
da haben alle gesagt sie liege so friedlich da .. ist Frieden gleichbedeutend
mit dem Tod?
Marcello:
Das sehe ich nicht so, weisst du, kleine neugierige Schwester .. Frieden hat
viel mit Ruhe zu tun .. Frieden kann aber auch aufregend sein, spannend, wild ..
furchtlos und frei ..
Wer nach langem Kampf sich ergibt .. der schliesst möglicherweise keinen echten
Frieden, der hat nur resigniert und aufgegeben .. so ist das .. oder manche
sehen es so: Friede ist, wenn es nichts mehr gibt, wofür es sich zu kämpfen
lohnt .. das nenne ich nicht Frieden sondern Mutlosigkeit, Resignation.
Francesca:
Langsam beginne ich zu verstehen .. Frieden .. den echten Frieden können wir
nur finden, wenn wir uns selbst treu bleiben .. wenn wir gut lauschen, auf
den Orkan in unserem Inneren, wenn wir uns gar nicht immer sosehr darum
bemühen, die Wogen auf diesem inneren Meer zu glätten, sondern einsehen und
erkennen, dass ein Sturm auch zum Ozean gehört .. genauso wie die Stille ..
dann können wir auch während eines Unwetters friedlich sein .. ist das so?
Marcello:
Ja, das hast du schön gesagt, ja .. ich kann das nur bestätigen .. und jetzt
komm, Francesca .. sehen wir mal nach, ob die Sonne schon im Meer versinkt ..
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